Tote Studentin – Verdächtiger ist 17-jähriger Flüchtling aus Afghanistan

Im Fall der ermordeten Freiburger Medizinstudentin hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Es handelt sich um einen minderjährigen unbegleiteten Flüchtling aus Afghanistan.

Fall der getöteten Studentin in Freiburg ist ein Siebzehnjähriger als Tatverdächtiger in Untersuchungshaft genommen worden. Der Vorwurf laute auf Vergewaltigung und Mord, sagte Staatsanwalt Dieter Inhofer am Samstag in Freiburg. Es handele sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen minderjährigen unbegleiteten Flüchtling, der 2015 aus Afghanistan eingereist sei. Er war bei einer Familie untergebracht und habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er wurde am Freitag um 12.30 Uhr im Freiburger Stadtteil Littenweiler festgenommen.

Ein 18,5 Zentimenter langes schwarzes Haar mit changierender Blondierung in einem Dornengebüsch ist nach Polizeiangaben wichtiges DNA-Material, das zu dem Täter führte. Ein schwarzer Schal im Flussbett der Dreisam spielte demnach zudem eine Rolle bei der Aufklärung des Sexual- und Gewaltverbrechens.

Die junge Frau sei vergewaltigt und ihre Leiche im Fluss Dreisam gefunden worden. Sie sei ertrunken, sagte der Soko-Leiter David Müller. Die Frau war demnach mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg von einer Uni-Party, als sie Opfer der Verbrechens wurde. Man habe durch Vernehmungen und durch eine webbasierte Umfrage die Zeit vor der Tat in weiten Teilen lückenlos rekonstruieren können, sagte Müller.

Videoaufzeichnungen zeigten Mann mit markanter Frisur

50 Minuten von der Tat hatte sich ein junger Mann mit einem schwarzen Schal rund einen Kilometer vom Tatort aufgehalten. Dies ergab die Auswertung von Videoaufzeichnungen der Freiburger Verkehrs-AG. Die Ermittler hätten einen Verdächtigen mit markanter schwarzer Haarfrisur in einer Videoauswertung von der Kameraüberwachung entdeckt. Der Verdächtige sei am Freitag identifiziert worden.

Die Polizei hatte etwa 1400 Menschen vernommen und rund 1600 Hinweise geprüft, darunter die auf ein herrenloses Fahrrad in der Nähe.

Drei Wochen nach der Medizinstudentin wurde eine 27 Jahre alte Joggerin im 30 Kilometer entfernten Endingen vergewaltigt und ermordet. Das Sicherheitsgefühl in der studentisch geprägten Stadt am Rande des Schwarzwalds litt unter den beiden ungeklärten Frauenmorden sowie unter weiteren schweren Verbrechen, die sich in den vergangenen Wochen häuften. Die Polizei bildete zwei Sonderkommissionen mit mehr als 100 Beamten und bekam Unterstützung aus dem ganzen Land.

Wohl kein Zusammenhang zwischen den beiden Taten

Die Angst vor einem Serientäter machte die Runde. Dass beide Taten zusammenhängen, glaubte die Polizei zwar nicht. Doch ausschließen konnte sie es bis zuletzt auch nicht. Die Verunsicherung blieb – bis heute. Bei der Pressekonferenz zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders der Medizinstudentin erklärte die Polizei jetzt, sie sehe keine Verbindungen zwischen den beiden Tötungsdelikten.

Im Fall der ermordeten jungen Frau in Endingen haben die Ermittler offenbar noch keine heiße Spur. Auch hier gehen sie hunderten Hinweisen nach – der Täter ist nicht bekannt. In diesem Fall sind 25.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Die komplizierte Ermittlungsgeschichte

16./17. Oktober: Auf dem Heimweg von der Uni-Party „Big Medi Night“ verschwindet eine 19 Jahre alte Medizinstudentin. Als man sie zuletzt sieht, will sie gegen 2.40 Uhr nachts mit ihrem Fahrrad nach Hause.

17. Oktober: Eine Joggerin findet am Sonntagmorgen um 8.20 Uhr die Leiche der Frau am Ufer des Flusses Dreisam. Ihr weißes Damenrad liegt einige Meter entfernt von der Leiche im Gebüsch. Die Polizei setzt eine Sonderkommission aus 40 Ermittlern ein.

18. Oktober: Die Polizei gibt bekannt, dass die Frau ertrunken ist. Sie sei Opfer einer Vergewaltigung geworden. Ob sie ertränkt wurde oder nach dem Übergriff bewusstlos im Wasser lag, ist unklar. Ein herrenloses violettes Rad ist nahe dem Schauplatz entdeckt worden.

19. Oktober: Die Polizei kontrolliert in einer nächtlichen Aktion in der Nähe des Tatorts Radler und Passanten und verteilt Flugblätter.

21. Oktober: Nach 100 Hinweise und 200 Vernehmungen keine heiße Spur.

26. Oktober: Die Polizei gibt bekannt, dass am Tatort DNA eines Mannes gefunden worden sei. Ein bundesweiter Datei-Abgleich beginnt.

4. November: Der Abgleich der Gen-Datei bringt keinen Treffer. Mehr als 100 Männer haben bereits freiwillig eine DNA-Probe abgegeben, sie sind Nachbarn, Kommilitonen oder Besucher der Party in der Tatnacht. Alle Bewohner des Studentenwohnheims des Opfers werden vernommen.

6. November: Ein zweiter Fall sorgt für Unruhe im Südwesten: Eine 27 Jahre alte Joggerin verschwindet in Endingen an einem Sonntagnachmittag. Im Zuge einer großen Suche mit Rettungskräften, Hunden und Hubschrauber wird vier Tage später ihre Leiche gefunden. Ob ein Zusammenhang zu der Toten aus der Dreisam besteht, ist unklar.

8. November: Die Staatsanwaltschaft setzt im Fall der toten Studentin 6000 Euro Belohnung aus.

14. November: Die Ermittler haben 940 Menschen vernommen, mehr als 1000 Spuren gesichert – und noch kein Ergebnis erzielt. Der Fall wird in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt.

18. November: Ein Suchhund der Polizei nimmt Fährte auf und führt die Beamten in einen Uni-Hörsaal. Dort sitzen in einer Vorlesung im Studiengang Biochemie mehr als 100 Studenten. Auch ihre DNA-Proben führen ins Nichts, ebenso wie ein Abgleich in Nachbarländern.

24. November: Mehrere Privatpersonen stocken die Belohnung im Fall der toten Studentin auf. Sie summiert sich auf insgesamt 35 000 Euro.

3. Dezember: Nach sieben Wochen Ermittlungen, 1600 Hinweisen und 1400 Zeugenvernehmungen die erste heiße Spur: Die Polizei gibt bekannt, dass sie einen Tatverdächtigen festgenommen hat.

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