Unglaublich – Landgericht: Kinderschänder nach Urteil auf freiem Fuß

Lüdenscheid – Es wirkt kurios. Der Angeklagte, weißes Sommerhemd, 80er-Jahre-Schnauzbart und „Vokuhila“-Frisur, wartet neben seiner Verteidigerin Sabine Schulte-Filthaut auf das Urteil. Er lächelt, ist gesprächig, gibt sich locker.

Das ändert sich auch nicht, während Staatsanwältin Claudia Kersebaum ihr Plädoyer hält und der Nebenklage-Anwalt des Mädchens, Dominik Petereit, sich dem Antrag auf drei Jahre und zwei Monate anschließt. Der entspannte Eindruck hat einen Grund.

Denn der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. Pedro Faustmann hat sich in seinem Gutachten gegen eine möglicherweise lebenslange Sicherungsverwahrung ausgesprochen. Eine „Kernpädophilie“ liege nicht vor, höchstens eine „multiple Störung der Sexualpräferenz“, so der Sachverständige. Für die Annahme einer verminderten Schuldfähigkeit reicht das nicht. Im Zuschauerraum sitzt die junge Mutter des Opfers mit verheulten Augen.

Die hinter verschlossenen Türen ausgehandelte Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten sah ein Strafmaß von maximal drei Jahren und zwei Monaten vor. Dabei rechneten die Juristen dem Täter vor allem dessen Geständnis hoch an. Immerhin hat das dem kleinen Mädchen eine Vernehmung im Zeugenstand erspart.

Rechtsanwältin Schulte-Filthaut beantragt eine Strafe von längstens drei Jahren – und die Außervollzugsetzung des Haftbefehls. Dem folgt die Kammer. Mit Auflagen: Keinerlei Kontakt zu Kindern und Jugendlichen unter acht Jahren und im Hinblick auf das Mädchen ein Näherungsverbot auf 20 Meter Abstand. Der Anwalt des Mädchen findet es „nicht gut“, dass der Kinderschänder zunächst freigelassen wird. Dominik Petereit: „Aber wenigstens gibt’s das Näherungsverbot.“

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