Urteil im Kindesmissbrauch-Prozess gegen Christian F. erwartet

  • An diesem Donnerstag soll der Prozess gegen Christian F. wegen Kindesmissbrauchs zu Ende gehen.
  • Den Missbrauch an zwei früheren Schülern des Domspatzen-Gymnasiums hat der Verdächtige schon weitgehend gestanden.
  • Christian F. wird außerdem verdächtigt, seine Verlobte Maria Baumer vor drei Jahren getötet zu haben. Der Prozess dazu steht noch aus.

    Maria Baumer ist tot, das immerhin steht fest. Mehr als 15 Monate lang hatte die Polizei nach ihr gesucht, bis drei Pilzsammler im Wald auf die Knochen der jungen Frau stießen. Mehr als drei Jahre ist das her. An diesem Donnerstag nun geht aller Voraussicht nach der Prozess gegen den Mann zu Ende, den die Staatsanwaltschaft für hauptverdächtig hält, die damals 26-Jährige getötet zu haben: ihren Verlobten Christian F. Doch um Mord oder Totschlag wird es an diesem Donnerstag nicht gehen, es geht um andere Vorwürfe gegen Christian F.: Kindesmissbrauch, Besitz von Kinderpornografie, Medikamentendiebstahl, Nötigung. Es sind schlimme Vorwürfe, die Aufmerksamkeit verdienen. Und trotzdem wird im Saal des Regensburger Landgerichts wieder ein Name über allem schweben: Maria Baumer.Die eine Sache habe mit der anderen nichts zu tun, sagt Christian F.s Strafverteidiger Michael Haizmann. Dass sich die Öffentlichkeit so schwer tut, beide Fälle zu trennen, ärgert ihn. Neulich, sagt Haizmann, hätten Reporter die Prozesszuschauer befragt, ob sie Christian F. für den Baumer-Mörder halten. „Das ist grotesk“, findet Haizmann. Und es stört ihn, dass unter den Zuschauern auch Familienangehörige der toten Maria Baumer waren, „die mit dem Prozess überhaupt nichts zu tun haben“. Für seinen Mandanten sei das alles „enorm belastend. Sie können sich nicht vorstellen, was er durchmacht“, sagt Michael Haizmann.

    An diesem Donnerstag also prallen am Landgericht Regensburg wieder einmal zwei Prozesse aufeinander. Der eine, der gerade im Gange ist, geht so: Zwischen 2003 und 2011 hat Christian F. zwei frühere Schüler des Domspatzen-Gymnasiums mehrfach sexuell missbraucht, die Übergriffe zum Teil fotografiert und gefilmt. Der eine Bub war 13, der andere elf oder zwölf, Christian F. schon volljährig. Den Missbrauch hat er weitgehend gestanden, auch die Sache mit dem Beruhigungsmittel, das er 2014 einer Patientin des Regensburger Bezirksklinikums eingeflößt haben soll. Dass F. – damals Pfleger in der Klinik – die Patientin mit dem Medikament sexuell gefügig machen wollte, ließ sich dagegen nicht beweisen.

    Der andere Fall ist eben der Tod von Maria Baumer. Ein Prozess steht noch aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt seit fast viereinhalb Jahren. Es gibt eine Leiche, aber keine Anklage, keine eindeutigen Beweise, nicht mal dafür, dass Maria Baumer tatsächlich getötet wurde. Es ist ein Fall, über den immer noch wenig Konkretes bekannt ist, und doch haben einige ihr Urteil schon gefällt. Einer wie Christian F., der Kinder missbrauche, sei auch imstande zu töten – so kann man die Logik mancher Prozessbeobachter wohl beschreiben.

    Seit zwei Jahren stellt sich Anwalt Haizmann solchen Schlussfolgerungen entgegen. Seit eben bekannt ist, dass Christian F. eine Patientin betäubt und zwei Buben missbraucht haben soll. „Jeder liest irgendwas in der Zeitung und reimt sich etwas zusammen“, sagt Haizmann. Und über die Ermittler im Fall Baumer sagt er: „Es gibt kein Motiv und keine Todesursache. Trotzdem wird mit einer Intensität im Leben meines Mandanten gegraben, wie ich es in den 30 Jahren nie erlebt habe, in denen ich im Geschäft bin.“

    Das lange Rätseln um den Tod von Maria Baumer

    Wenige Kriminalfälle bewegen die Öffentlichkeit so sehr wie der Fall Baumer, der bundesweit Schlagzeilen machte. Die Vorsitzende der Katholischen Landjugend in Bayern war Pfingsten 2012 verschwunden. Nachdem er morgens vom Joggen zurückgekehrt sei, habe er die gemeinsame Wohnung leer vorgefunden, sagte ihr Verlobter, Christian F. Erst Stunden danach habe Baumer ihn angerufen und gesagt, dass sie nach Nürnberg gefahren sei; später habe sie ihm mitgeteilt, sie brauche eine Auszeit und wolle nach Hamburg weiterreisen. Zeugen hatten sie letztmals am Abend vor ihrem Verschwinden beim gemeinsamen Grillen gesehen – wenige Kilometer von der Stelle entfernt, wo später Baumers Skelett gefunden wurde. Andere Zeugen wollten die junge Frau mal im Ruhrgebiet gesehen haben, mal in der Nähe von Weiden, mal auf dem Jakobsweg im spanischen Pilgerort Santiago de Compostela.

    Bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Ermittlungen hatte die Polizei auch Christian F. überprüft. Nach dem Fund der Leiche musste er im Herbst 2013 in Untersuchungshaft, doch mangels hinreichendem Tatverdacht ordnete die Staatsanwaltschaft nach sieben Wochen seine Freilassung an. Seither wirkt es so, als seien die Ermittlungen ins Stocken geraten. Obwohl Christian F. immer noch im Visier der Ermittler steht, gibt es offenbar nur Indizien, aber keine handfesten Beweise gegen den 32-Jährigen.

    Der Angeklagte wird wohl mit einer Bewährungsstrafe davon kommen

    Im Prozess um den Kindesmissbrauch, den Medikamentendiebstahl und die Nötigung zeichnet sich dagegen eine Entscheidung ab. An diesem Donnerstag wird der geständige Christian F. den Gerichtssaal wohl als freier Mann verlassen. Alles deutet darauf hin, dass sich die Prozessbeteiligten darauf einigen konnten, dass F. seinen Opfern ein angemessenes Schmerzensgeld zahlt und im Gegenzug mit einer Bewährungsstrafe davonkommt. Auch Strafverteidiger Haizmann hofft für diesen Donnerstag auf „ein Ende“ der Verhandlungen gegen seinen Mandaten Christian F.

    Doch auch am letzten Prozesstag werden die Zuschauer wieder ganz genau auf Christian F. schauen – als könnten sie einen Einblick in sein Inneres erspähen, wo vielleicht auch die Wahrheit im Fall Maria Baumer zu finden ist. Bis die Ermittlungen in diesem Fall abgeschlossen sind, könnte es laut Staatsanwaltschaft bis Mitte kommenden Jahres dauern.

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