Zeit arbeitet für Kinderschänder – GERICHT Acht Jahre Haft, keine Sicherungsverwahrung für Kirchhainer

Die Kammer verurteilte den Kirchhainer wegen schweren sexuellen Missbrauchs tateinheitlich mit einer Vergewaltigung in einem Fall und wegen dreier Vergewaltigungen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren. Damit folgte das Gericht dem Strafantrag von Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier. Pflichtverteidiger Ralf Luthe beantragte Freispruch, sein Mandant hatte bis zum Schluss seine Unschuld beteuert.

Aus 80 bis 90 Fällen von Vergewaltigung werden vier Taten, die zur Verurteilung führen.

Während der viertägigen Verhandlungen war unter anderem von 80 bis 90 Vergewaltigungen  die Rede gewesen. Kerstin Brinkmeier hatte sich während der Plädoyers auf vier Taten beschränkt und diese auf vier sicher feststehende Tatorte verteilt.

Dem schloss sich die Kammer an. Es sei unmöglich, die sehr vielen Missbrauchsfälle dem Angeklagten jeweils einzeln mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit nachzuweisen, so der Richter.

Ausführlich ging Richter Thomas Wolf auf die Glaubwürdigkeit des heute 22 Jahre alten Opfers und das Gutachten einer Psychologin ein. Kern seiner Feststellung: Es sei völlig absurd zu glauben, dass das Opfer und deren Bruder sich fünf Jahre nach der letzten Tat das Tatgeflecht mit den vielen Einzelheiten ausgedacht haben könnten, um dem ehemaligen Freund ihrer Familie eins auszuwischen.

Umgekehrt seien die vom Angeklagten vorgebrachten Elemente zu seiner Entlastung widerlegt. Weit entfernt von einem Geständnis blieben strafmildernd die fehlenden Vorstrafen und die Tatsache, dass die Taten mehr als fünf Jahre zurückliegen, sagte Wolf.

Strafverschärfend ist für die Kammer die Schwere der Verbrechen, die Drohkulisse und die besonders heftigen Nachwirkungen der Taten auf das Opfer, das noch immer Angstzustände habe. Der Vorsitzende meinte damit weniger den Zusammenbruch des Opfers und dessen stationären Aufenthalt im Klinikum, als die junge Frau nicht mehr gehen konnte, sondern die ständige Angst vor den beiden Phantomen Hinki und Brauni. Sie habe keine Angst vor dem schmächtigen Angeklagten, aber sehr wohl davor, dass die beiden Zuhälter ihrem Kind im Auftrag des Angeklagten etwas tun könnten, zitierte der Richter eine Aussage des Opfers.

Deutlich im Prozess wurde, dass der Angeklagte sehr zielgerichtet vorging. Die beiden Mädchen, die im Prozess auftraten, sind zurückhaltend, haben ein geringes Selbstwertgefühl und zum Teil Probleme im Elternhaus. Ihnen näherte sich der Kirchhainer freundlich und lud sie zu Aktivitäten wie dem Nachtangeln ein, bei dem das Opfer Mitte 2006 im Alter von 12 oder 13 Jahren erstmals vergewaltigt wurde. Das zwei Jahre ältere Mädchen, das als Zeugin aussagte, hatte 2008 eine anfangs einvernehmliche sexuelle Beziehung mit dem Mann. Später duldete sie den Geschlechtsverkehr nur noch wegen der Drohungen mit Hinki und Brauni, die beide Mädchen ob ihres jungen Alters zutiefst beeindruckten.

Neufassung des Paragrafen 66 im Strafgesetzbuch rechnet Frist von fünf Jahren an

Gegenüber dem älteren Mädchen soll der Täter gesagt haben: „Ich mach Dir ein Kind. Meine Kinder sind minderwertig, weil nicht arisch.“ Als alle Schwangerschaftstests negativ ausfielen, soll er dem Mädchen beschieden haben: „Du bist zu dumm, ein Kind zu kriegen. Du bist innerlich verfault.“

Da stellt sich die Frage: Wie gefährlich ist der Mann heute noch? Wen lockt er als nächstes in die Hinki- und Brauni-Falle? Richter Thomas Wolf sagte nach der Verhandlung, dass die Kammer den 53-Jährigen noch immer für gefährlich halte. Eine Sicherungsverwahrung nach Ablauf der Haftstrafe sei allerdings  nach einer Neufassung des Paragrafen 66 des Strafgesetzbuchs nicht mehr möglich, da die Taten länger als fünf Jahre zurücklägen.

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